Helmholtz-Zentrum Geesthacht, 2016-07-30
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IEA-Studie: 2010 so viel CO2-Emissionen wie nie zuvor

Der Ausstoß des klimaschädigenden Kohlendioxids erreichte im vergangenen Jahr neue Rekordwerte. Nach einem leichten Rückgang der Emissionen im Jahr 2009 aufgrund der globalen Finanzkrise stieg der weltweite CO2-Ausstoß 2010 auf 30,6 Gigatonnen (Gt) an. Dies ist ein Anstieg um 5 Prozent gegenüber dem bisherigen Rekordjahr 2008.
Zwar hatten die IEA-Ökonomen nach der wirtschaftlichen Erholung mit einer leichten Zunahme der Emissionen gerechnet, aber ein Sprung um fünf Prozent ist ein herber Rückschlag für das Erreichen der internationalen Klimaschutzziele. „Dies ist die unbequeme Wahrheit, die zeigt, wie sich die vom Menschen verursachten Treibhausgas-Emissionen zukünftig entwickeln werden, wenn jetzt keine schärferen internationalen Maßnahmen ergriffen werden“, kommentierte Christina Figueres, Chefin des Klimasekretariats der Vereinten Nationen (UNFCCC), die neuen Daten.

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Sollten die Emissionen auch 2011 ebenso schnell ansteigen wie 2010, würde es praktisch unmöglich sein, das auf dem Klimagipfel in Cancun von allen Staaten beschlossene Zwei-Grad-Ziel zu erreichen. Um dieses Ziel zu erreichen, dürften die Emissionen aus der Energiegewinnung bis zum Jahr 2020 nicht über 32 Gigatonnen pro Jahr liegen. Diese kritische Grenze wäre bei einem weiterhin ungebremsten Treibhausgasausstoß schon neun Jahre früher als geplant erreicht.

Darüber hinaus stammen rund 80 Prozent der bis 2020 prognostizierten Emissionen aus dem Energiesektor aus bereits existierenden oder in Bau befindlichen Kraftwerken. Somit können die Emissionen aus diesen Kraftwerken bis zum Jahr 2020 gar nicht mehr verhindert werden. Laut IEA stammen 44 Prozent der Emissionen des vergangenen Jahres aus der Verbrennung von Kohle, 36 Prozent aus der Nutzung von Erdöl und 20 Prozent aus der Verfeuerung von Ergas.

40 Prozent der Emissionen kamen der IEA zufolge 2009 aus OECD-Ländern. Allerdings steuern sie nur 25 Prozent zur Emissionssteigerung bei. Für den Großteil des Anstiegs sind Nicht-OECD-Länder wie China und Indien verantwortlich. Trotzdem bleiben die westlichen Industrienationen laut IEA die größten CO2-Sünder. Während Bürger in den OECD-Ländern 10 Tonnen pro Jahr emittieren, sind es in China 5,8 Tonnen und in Indien 1,5 Tonnen.

Klimaverhandlungen in Bonn

In Anspielung auf die bevorstehenden UN-Klimaverhandlungen, die vom 6. Bis 17 Juni in Bonn stattfinden, erklärte Christina Figueres: „Keine Nation kann den Klimawandel allein abwenden. Und keine Nation wird die Auswirkungen des Klimawandels allein verspüren. In der nächsten Woche treffen sich die internationalen Regierungsvertreter in Bonn, um den Klimagipfel in Durban vorzubereiten, der Ende des Jahres stattfindet. Es ist klar, dass sie jetzt die Welt wieder auf den richtigen Weg bringen müssen, um einen gefährlichen Klimawandel abzuwenden.“

Ihrer Ansicht nach gibt es für den Klimagipfel in Durban zwei wichtige Herausforderungen: Als erstes müssen die internationalen Abmachungen zu einer stärkeren Emissionsminderung vertieft werden. Dies beinhaltet auch eine Entscheidung über die Zukunft des Kyoto-Protokolls.

Zum Zweiten muss eine Einigung darüber erzielt werden, neue Klima-Organisationen aufzubauen, die Entwicklungsländer adäquat und effizient in Fragen des Klimawandels unterstützen. Dies beinhaltet einen Klima-Fond, technologische Mechanismen und den Aufbau eines Anpassungs-Komitees.

Das Treffen in Bonn sei eine bedeutende Gelegenheit, die entscheidenden Schritte dazu einzuleiten, so Figueres.

UN Climate Change Conference June 2011 - Bonn

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