Helmholtz-Zentrum Geesthacht, 2016-07-01
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Lässt der Klimawandel die Himalaya-Gletscher schmelzen?

Autoren: Dr. Renate Treffeisen, Klimabüro für Polargebiete und Meeresspiegelanstieg, gemeinsam mit Dr. Irene Fischer-Bruns und Dr. Uwe Kehlenbeck, beide Climate Service Center
Wie in vielen Gebirgsregionen der Erde sind auch im Himalaya durch den Klimawandel die durchschnittlichen Temperaturen gestiegen. Die Durchschnittstemperatur auf dem tibetanischen Plateau nahm zwischen 1906 und 2005 dreimal so stark zu, wie der globale Mittelwert, der in diesem Zeitraum um 0,74 Grad Kelvin anwuchs. Seit den 1950er Jahren stieg die Durchschnittstemperatur auf der tibetischen Seite des Himalaya um mehr als 1 Grad Kelvin (2).

© NASA - Das Satellitenbild zeigt den Gangotri-Gletscher im indischen Uttarkashi Distrikt. Er zählt mit einer Länge von zur Zeit gut 30 Kilometern und einer Breite von bis zu 2,5 Kilometern zu den größten Himalaya-Gletschern. Seit 1780 hat sich der Gletscher um mehr als 850 Meter zurückgezogen; allein in den Jahren von 1996 bis 1999 um 76 Meter (5). © NASA - Das Satellitenbild zeigt den Gangotri-Gletscher im indischen Uttarkashi Distrikt. Er zählt mit einer Länge von zur Zeit gut 30 Kilometern und einer Breite von bis zu 2,5 Kilometern zu den größten Himalaya-Gletschern. Seit 1780 hat sich der Gletscher um mehr als 850 Meter zurückgezogen; allein in den Jahren von 1996 bis 1999 um 76 Meter (5).

Das hat Folgen für die Gletscher des größten Gebirges der Erde. Eine der ersten Studien zur Entwicklung der Eisdicke an vierzig Gletschern im westlichen Himalaya anhand von Satellitenbildern kam zu dem Ergebnis, dass sich die Eisströme kontinuierlich zurückziehen. Die meisten gehen um zehn bis 20 Meter pro Jahr zurück, einige sogar um bis zu 70 Meter (3).

Doch auch Gletscher, die sich nicht zurückziehen, können an Masse verlieren und dünner werden. Satellitendaten liefern Hinweise darauf, dass die Eismenge im Himalaya schneller schwindet als in den Alpen, den Anden und der Arktis. Aktuelle Untersuchungen beziffern den Eisverlust im Karakorum (Teil des Himalaya-Gebirges nördlich seiner Hauptkette mit vier Achttausendern) und dem Tibetischen Plateau auf rund 50 Milliarden Tonnen pro Jahr im Zeitraum 2003 bis 2009 (4).

Welche Folgen eine weitere Temperaturzunahme für die Himalaya-Gletscher haben wird, ist dennoch schwer zu beantworten. Forscher erwarten zwar für die Zukunft einen noch schnelleren Rückgang der Eismenge, doch bislang ist nicht einmal genau bekannt, wie viele Gletscher es im Himalaya überhaupt gibt. Aktuelle Schätzungen gehen von 12.000 bis 15.000 im Himalaya und 5.000 im Karakorum aus.

© ICIMOD - Bild zum Vergrößern anklicken © ICIMOD - Bild zum Vergrößern anklicken

Zehn der größten asiatischen Flüsse (Ganges, Mekong, Indus, Brahmaputra, Jangtse, Hwangho, Irrawaddy, Salween, Tarim und Amu Darya) entspringen im Himalaya und werden in unterschiedlichem Ausmaß auch aus Schmelzwasser der Himalaya-Gletscher gespeist. Rund 1,3 Milliarden Menschen leben im Einzugsbereich dieser Flüsse, die durch sieben asiatische Megacities fließen. So versorgt die saisonale Schmelze der Himalaya-Gletscher die Nebenflüsse des Indus, des Ganges und des Brahmaputra mit Schmelzwasser, das bis zu 45 Prozent zur gesamten Wassermenge dieser drei Flüsse beiträgt. Schätzungsweise eine halbe Milliarde Menschen sind vom Wasser allein dieser drei Ströme abhängig (6).

Welchen Einfluss hätte ein weiterer Eisschwund auf die Wasserversorgung dieser Region? Nach aktuellen Schätzungen trägt das Schmelzwasser der Gletscher in der Trockenzeit durchschnittlich 10-20 Prozent zum Wasserstand der Flüsse bei. Ob die Himalaya-Gletscher Asiens große Ströme auch in Zukunft noch ausreichend speisen werden, lässt sich jedoch wegen der lückenhaften Datenlage derzeit nicht mit Sicherheit abschätzen.

Quellen

Nature Reports Climate Change Published online: 2 March 2010 | Corrected online: 16 March 2010 | doi:10.1038/climate.2010.19


Zu (1): Contribution of Working Group I to the Fourth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change, 2007 Solomon, S., D. Qin, M. Manning, Z. Chen, M. Marquis, K.B. Averyt, M. Tignor and H.L. Miller (eds.) Cambridge University Press


Zu (2): Institute for Governance & Sustainable Development - Retreat of Tibetan Plateau Glaciers Caused by Global Warming: Threatens Water Supply and Food Security, igsd, August 2010


Zu (3): Remote sensing estimates of glacier mass balances in the Himachal Pradesh (Western Himalaya, India), Berthier, E. et al. Remote Sens. Environ. 108, 327–338, 2007


Zu (4): Matsuo, K. and K. Heki, Time-variable ice loss in Asian high mountains from satellite gravimetry, Earth Planet. Sci. Lett. 290, 30-36, doi:10.1016/j.epsl.2009.11.053, 2010


Zu (5): NASA Earth Observatory - Retreat of the Gangotri Glacier


Zu (6): ICIMOD (International Centre for Integrated Mountain Development) - The Hindu Kush-Himalayan Region

Ansprechpartner

Dr. Renate Treffeisen
Klimabüro für Polargebiete und Meeresspiegelanstieg
Fon +49 (0) 471 4831-2145
Fax +49 (0) 471 4831-1797
E-mail: info(AT)klimabuero-polarmeer.de