Helmholtz-Zentrum Geesthacht, 2016-07-26
http://www.hzg.de/012389/index_0012389.html.de

Warnsignal Klima: Genug Wasser für alle?

Herausgeber: José L. Lozán / Hartmut Graßl / Ludwig Karbe / Peter Hupfer / Christian-D. Schönwiese

Das Wasser hat eine zentrale Bedeutung nicht nur für den Menschen sondern insgesamt für die ganze Umwelt. Das Wasser prägt die Landschaft und bestimmt entscheidend den Charakter der Flora und Fauna. Durch zu viel, zu wenig oder schlechtes Wasser ist der Mensch bedroht. Mit der Klimaänderung werden sich die Wasserreserven (Gebirgsgletscher, Flüsse und Seen sowie Grundwasser) gravierend verändern. Die Gebirgsgletscher, die für die Wasserversorgung eine wichtige Rolle spielen, nehmen in ihrer Größe ab. Viele kleine Gletscher sind bereits verschwunden, so dass die davon abhängigen Flüsse nur während der Regenzeit Wasser transportieren. Der Schnee bleibt eine kürzere Zeit liegen. Insgesamt werden die trockenen Regionen noch trockener. Die Wasserversorgung entwickelt sich in vielen Regionen der Welt nicht nur für die Landwirtschaft sondern auch direkt für die Bevölkerung zu einem gravierenden Problem. Krankheiten aufgrund von hygienischen Problemen und Missernten wegen Wassermangel werden zunehmen. Bereits heute hat ein Fünftel der Weltbevölkerung keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser. Das Problem der Wasserversorgung wird sich in der nächsten Zukunft weltweit stark verschärfen. Durch die Erwärmung der Erde ist bereits heute eine Intensivierung des globalen Wasserkreislaufs zu beobachten. Extreme Wettersituationen – Hochwasser und Überschwemmungen sowie trockene Perioden – häufen sich an. Viele Probleme rund um das Wasser werden schwerwiegende Folgen auch in Europa haben.

Kapitel 1: Lebenselixier Wasser - betrachtet aus der Sicht von Natur- und Gesellschaftwissenschaften

Ohne Wasser kein Leben – das wussten die Menschen schon von ihrer Frühzeit an. Viele Riten und Gebräuche aus den verschiedenen Kulturen legen Zeugnis ab von der Unentbehrlichkeit, aber auch von den Gefahren, die das Wasser mit sich bringen kann. Auch in den Sprachen ist »Wasser« ein hervortretender Begriff, der in direkten und indirekten Bedeutungen verwendet wird.

Der Bedeutung des Wassers trägt auch die Entwicklung verschiedener Zweige der Wasserforschung Rechnung. Heute weiß man, dass der Stoff Wasser, der in flüssiger, fester und gasförmiger Form auftritt, in physikalischer und chemischer Hinsicht Besonderheiten aufweist, ohne die die oberflächennahen Sphären der Erde ebenso wie das Klima und die natürlichen Kreisläufe nicht so sein könnten, wie sie sind, und die für die Entwicklung des Lebens wie der Zivilisation notwendig sind. Das A und O der Wasserversorgung im allgemeinsten Sinne ist der globale Wasserkreislauf mit seinen engen Koppelungen zu Wetter und Klima sowie zur gesamten Natur. Die nachfolgenden Beiträge legen dazu wichtige Grundlagen und geben Einblicke in einige Facetten des Gesamtthemas.

Warnsignal Klima Kapitel 1

Kapitel 2: Wassernutzung und Eingriffe des Menschen in den Wasserhaushalt

Weltweit hat die Nutzung der verfügbaren Wasserressourcen in den letzten Jahrzehnten deutlich schneller zugenommen als die Weltbevölkerung. Diese Tendenz wird sich vor allem in den Schwellen- und Entwicklungsländern weiter fortsetzen. Im globalen Mittel gehen rund 75% der Wassernutzung in die Landwirtschaft, zum großen Teil für Bewässerungsmaßnahmen. Nur in den niederschlagsreichen und hochentwickelten Ländern übersteigt der Wasserbedarf der Industrie denjenigen der Landwirtschaft (s. Tafel 5 im Kap. O). Seit Anbeginn der Zivilisation hat der Mensch auf vielfältige Weise in den Wasserhaushalt von Landschaften und Flussgebieten eingegriffen, sei es durch Trockenlegung von Feuchtgebieten, Entwaldungen, intensive Landwirtschaft, Flussbegradigungen oder Deichbau. Diese Maßnahmen haben häufig auch die Gewässergüte stark beeinträchtigt, zur Überdüngung und Kontamination der Gewässer mit Schwermetallen und organischen Schadstoffen geführt. Mit großem Aufwand werden heute manche dieser Lebensräume in den Industrieländern saniert und restauriert, verbliebene Reservate werden unter Schutz gestellt. In einigen Regionen führten jedoch den natürlichen Gegebenheiten nicht angepasste Bewirtschaftungsweisen, häufig verbunden mit Missmanagement, zu irreversiblen Schädigungen der Gewässer-Ökosysteme, wie beispielsweise Versalzungsprozesse der Böden, die weiter voranschreitende Desertifikation oder das Trockenfallen von Flüssen und Seen. Die Einsicht, für die Folgen vergangener Fehlentwicklungen heute teuer bezahlen zu müssen, sollte Grund genug dafür sein, den Entwicklungsländern die Möglichkeit zu geben, ihre Zukunft in Einklang mit den Millenniumszielen zu gestalten.

Warnsignal Klima Kapitel 2

Kapitel 3: Wasser und Klimawandel

Ohne Wasser kein Klima – ohne Wasser kein Leben. Denn das Wasser ist in Form des Niederschlags ein wesentliches Klimaelement, das zusammen mit der Temperatur der grundlegenden Beschreibung und Klassifikation des Klimas dient. Und über die im Klimasystem ablaufenden Prozesse ist der Niederschlag in Verbindung mit Verdunstung, Abfluss und Speicherung ein Teil des Wasserkreislaufs. Dies anhand von Beobachtungsdaten bzw. Rekonstruktionen für die Klimagegenwart und -vergangenheit genau zu erfassen sowie durch Modellierung zu verstehen und daraus Zukunftsprojektionen zu entwickeln ist eine zentrale Aufgabe der interdisziplinären Klimaforschung. Hinzu kommt die ganze Problematik der sich daraus ergebenden ökologischen und sozio-ökonomischen Folgen, insbesondere der Risiken. Denn Wasser in ausreichender Quantität und Qualität ist eine notwendige Lebensgrundlage für Mensch, Flora und Fauna. Schon zeigen sich Konfliktpotenziale durch Wasserknappheit und Dürren. Aber auch durch Überschwemmungen aufgrund von extremen Niederschlagsereignissen ist unser Planet gefährdet.

Warnsignal Klima Kapitel 3

Kapitel 4: Was tun?

Um die von den Vereinten Nationen vereinbarten Millenniumsziele bis 2015, aber auch das zentrale Ziel der Klimakonvention zu erreichen, wird durch Experten eine Reihe von Maßnahmen im Wassersektor empfohlen. Einerseits müssen die Klimaänderungen abgeschwächt werden, um die Wahrscheinlichkeit für extreme hydrologische Ereignisse wie Dürren und Überschwemmungen zu reduzieren. Andererseits sind neue Möglichkeiten zu erschließen, mit denen Wasser gespart bzw. es effizienter genutzt werden kann. In der Landwirtschaft gilt die Devise, mehr Nahrungsmittel mit der gleichen Wassermenge zu erzeugen. Hier sind resistente Pflanzen gegen Trockenheit bzw. Sorten mit höheren Erträgen gefragt. In der Wasserwirtschaft sollte sich ebenfalls immer mehr der Gedanke der Nachhaltigkeit durchsetzen, der bei Gewässern u.a. vorsieht, nicht mehr Wasser zu entnehmen als sich erneuern kann. Ferner sind Seen und Flüsse sowie das Grundwasser vor Verschmutzung und Kontamination zu schützen. In ariden und semi-ariden Regionen, in denen Flüsse und Seen von mehreren Anrainerstaaten genutzt werden, sollte die Nutzung des Wassers in Partnerschaft und Kooperation erfolgen und müssen Konflikte vermieden werden. Eine zentrale Frage der Millenniumsziele ist ferner, wie das Menschenrecht auf genügend Wasser für alle gesichert werden kann. Ebenfalls von großer Bedeutung ist die Antwort auf die Frage, ob die Privatisierung der Wasserversorgung einen Beitrag zur Lösung der globalen Wasserkrise leisten kann.
Warnsignal Klima Kapitel 4