Helmholtz-Zentrum Geesthacht, 2016-07-28
http://www.hzg.de/012675/index_0012675.html.de

"Wie repariere ich ein System, dass ich nicht ganz verstehe?" (Ronald Prinn, 2010)

Auf den großen internationalen Klimakonferenzen von Kopenhagen und Cancun konnten keine nennenswerten Durchbrüche im Bereich der Klimaschutzziele erzielt werden. Die CO2 Emissionen sind auf einem Rekordniveau und das Ziel, die Erderwärmung auf 2°C zu begrenzen, rückt in immer weitere Ferne. In dieser Situation werden vereinzelte Stimmen laut, die die Lösung des Klimaproblems im Geo-Engineering sehen. Das Kieler Earth Institute hat nun im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) aktuell in einer Studie die Chancen und Risiken von Geo-Engineering bewertet.
Was ist Geo-Engineering? Bei Geo- oder Climate-Engineering werden mit Hilfe unterschiedlicher Technologien Eingriffe in das Klimasystem der Erde vorgenommen. Es stellt einen Versuch dar, den Klimawandel durch den gezielten Einsatz von technischen Hilfsmitteln einzudämmen bzw. aufzuhalten. Dabei wird grundsätzlich zwischen zwei Herangehensweisen unterschieden.

Die Beseitigung von Kohlendioxid (CO2) ist der zentrale Punkt des einen Ansatzes und wird deshalb als Carbon Dioxide Removal (CDR) bezeichnet. Der andere Ansatz verfolgt das Ziel, die Sonneneinstrahlung zu verringern. Diese Maßnahme wird Radiation Management (RM) genannt.

Übersichtsgrafik BMBF: Ausgewählte Verfahren des Climate Engineering


© BMBF/Kiel Earth Institute - Schematische Darstellung der Climate-Engineering-Technologien © BMBF/Kiel Earth Institute - Schematische Darstellung der Climate-Engineering-Technologien

In der Sondierungsstudie „Climate Engineering“ des Kieler Earth Institute haben 16 Forscher aus unterschiedlichsten Disziplinen eine der umfangreichsten Bestandsaufnahmen zu dem Thema erstellt. Dabei wurden nicht nur die Chancen und die Risiken für die Natur sowie das Klimasystem beleuchtet, sondern auch die Risiken für die internationale Gemeinschaft. Geo-Engineering wird zwar lokal und/oder national durchgeführt, doch sind seine Auswirkungen global. Daher bergen solche Vorgehensweisen ein hohes gesellschaftliches und politisches Konfliktpotential.

Prof. Gernot Klepper vom Institut für Weltwirtschaft verdeutlichte bei der Vorstellung der Studie die Problematik von Geo-Engineering bildlich. Er verglich die Erderwärmung mit dem überhitzten Motor eines Kraftfahrzeuges. Um Abhilfe zu schaffen, schlagen die einen Experten deshalb vor, einen Eimer Wasser auf die Kühlerhaube zu schütten, um den Motor abzukühlen. Die anderen warnen, dadurch würde der Motor endgültig kaputt gehen. Allerdings kennt niemand den Bauplan dieses Motors.

Geo-Engineering ist ein umstrittenes Thema - die Gründe dafür liegen auf der Hand: Die Technologien stecken in den Kinderschuhen, die Machbarkeit, die Kosten, die Folgen und vor allem die Risiken sind nicht geklärt. Für das Europäische Parlament waren diese Punkte sicher mit ausschlaggebend dafür, sich gegen großangelegte Klimaversuche auszusprechen. Ebenso mussten Forscher eines aktuellen Geo-Engineering Projektes eine Verzögerung des Projektstartes auf Grund der fehlenden gesellschaftlichen Akzeptanz hinnehmen.

Das Fazit der Studie ist, dass Geo-Engineering den Klimaschutz und Anpassungsmaßnahmen nicht ersetzen kann. Vielmehr muss weiterhin oberste Priorität darauf liegen, die Emission von Treibhausgasen zu reduzieren. Geo-Engineering stellt somit bestenfalls eine Notfalloption dar. Doch wie soll mit dem Thema in Zukunft umgegangen werden? Die Studie kommt zu dem Schluss, dass auf dem Gebiet zwar weitere Forschungen durchgeführt werden sollten, diese aber eher als reine Grundlagenforschung anzusehen seien. Das Umweltbundesamt (UBA) geht noch einen Schritt weiter und vertritt die Ansicht, dass auf Grund der großen Unsicherheiten weitere Forschungen auf dem Gebiet für die nächste Zeit ausgesetzt werden sollten.

Um auf den Vergleich mit dem Automotor zurückzukommen: Geo-Engineering entspricht einem Facelift der Karosserie. Dadurch verändert sich zwar das Erscheinungsbild des Systems - die Ursachen für die Motorüberhitzung sind damit allerdings nicht beseitigt und bestehen weiterhin.

Quellen

Studie: "Gezielte Eingriffe ins Klima? Eine Bestandsaufnahme der Debatte zu Climate Engineering"

Stellungnahme des UBA: "Großtechnische Eingriffe in globale Umweltprozesse – eine Alternative im Klimaschutz?"

Studie der Royal Society: "Geoengineering the climate: science, governance and uncertainty"

News-Übersichtsseite zum Climate Engineering vom Kiel Earth Institute

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