Helmholtz-Zentrum Geesthacht, 2014-12-22
http://www.hzg.de/031358/index_0031358.html.de

Die Konsequenzen des Nichthandels – OECD veröffentlicht ihren Umweltausblick bis 2050

Am 15. März 2012 hat die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ihren Umweltausblick 2050 vorgestellt. Darin kommt sie zu dem Schluss, dass ein „weiter wie bisher“ ohne umfassende politische Maßnahmen zu unumkehrbaren globalen Umweltschäden führen wird. Aufbauend auf Analysen zu möglichen Entwicklungen in unterschiedlichen Bereichen wie Klimawandel, Biodiversität oder Wasser skizziert die Studie auch eine Reihe von Maßnahmen, die dazu beitragen könnten, diese negativen Entwicklungen einzudämmen. Damit erfüllt der Bericht vor allem eine wichtige Demonstrationsfunktion der negativen Folgen – und im Zuge dessen zwangsläufig auch Kosten – eines fehlenden oder späten gesellschaftlichen Handels.
Die OECD hat neueste Projektionen zu den sozio-ökonomischen Trends der kommenden vier Jahrzehnte und deren globalen Auswirkungen auf Klimawandel, Artenvielfalt, Wasser sowie Gesundheit und Umwelt vorgestellt. Demnach wird sich die Weltwirtschaft bis 2050 fast vervierfachen. Zudem wird die Weltbevölkerung um weitere zwei Milliarden Menschen wachsen – und, damit einhergehend, die Nachfrage nach Nahrung, Wasser und Energie ebenfalls ansteigen.

© OECD © OECD

Nur ambitionierte und zügig auf internationaler Ebene umgesetzte Maßnahmen könnten demnach verhindern, dass sowohl Industrie- als auch Schwellen- und Entwicklungsländer erheblichen ökonomischen und gesellschaftlichen Schaden nehmen. Ohne diese politischen Maßnahmen könnte es der Studie nach beispielsweise zu folgende Konsequenzen kommen:

Der weltweite Primärenergieverbrauch wird 2050 um 80 Prozent höher liegen als heute. Schon in den kommenden Jahrzehnten werden Länder wie Brasilien, Russland, Indien, Indonesien, China und Südafrika mehr Energie verbrauchen als die 34 Mitglieder der OECD. Da der Anteil fossiler Energieträger im Weltenergiemix mit 85 Prozent eher zunimmt, würden etwa 50 Prozent mehr Treibhausgase ausgestoßen werden als heute.

Die Luftverschmutzung in Städten wird 2050 für den Großteil aller umweltbedingten Todesfälle verantwortlich sein wird: 3,6 Millionen Menschen weltweit könnten dann jedes Jahr an Feinstaub sterben – doppelt so viele wie heute. Die Metropolregionen Indiens und Chinas hätten unter diesem Trend am stärksten zu leiden. Im OECD-Raum dürften sich vor allem Todesfälle durch bodennahes Ozon mehren.

Die Artenvielfalt an Land wird vor allem in Europa, Asien und im südlichen Afrika um zehn Prozent abnehmen. Der Verlust der biologischen Vielfalt bedroht nicht nur das Wohlergehen der indigenen oder armen Bevölkerung in Lateinamerika, Afrika und Asien. Er beeinflusst auch das Klima, die Wasserquantität und -qualität, die landwirtschaftliche Produktion oder die Verbreitung von Krankheiten und damit die Menschen in Industrieländern.

Der weltweite Wasserverbrauch wird um mehr als die Hälfte steigen. Den größten Mehrbedarf hätten dabei das verarbeitende Gewerbe (+ 400%), aber auch thermische Stromerzeuger (+ 140%) und private Haushalte (+ 130%) wären stark betroffen. Rund 40 Prozent der Weltbevölkerung werden im Jahr 2050 voraussichtlich in Gebieten mit extremer Wasserknappheit leben. Dies wären 2,3 Milliarden Menschen mehr als heute.

Um diesen möglichen Folgen entgegenzuwirken nennt die Studie auch politisch umzusetzende Maßnahmen. Entsprechende Ansätze wären demnach, Umweltverschmutzung durch Steuern oder einen weltweiten Emissionshandel zu verteuern; natürliche Ressourcen mit einem Preis zu versehen und Märkte für sie zu schaffen oder wirtschaftliche Instrumente mit Vorschriften und Normen zu kombinieren. Außerdem sollten umweltschädliche Subventionen – etwa für fossile Brennstoffe, Landwirtschaft und Fischerei – abgeschafft werden. Weiterhin sollten beispielsweise CO2-arme Technologien im Energiebereich weiter gefördert werden.

Abschließend betont die OECD, dass diese Maßnahmen sektor- und länderübergreifend vereinbart umzusetzen sind. Regelmäßige Beobachtung und Bewertung soll dabei Synergien fördern und Widersprüche zwischen den Aktivitäten verhindern. Strategische Partnerschaften zwischen staatlichen und privaten Akteuren wie Unternehmen, Forschungseinrichtungen und zivilgesellschaftlichen Organisationen sind dabei dringend geboten und könnten dazu beitragen die Zielgenauigkeit, Akzeptanz und Effizienz zukünftiger Maßnahmen sicherzustellen.


Der OECD Environmental Outlook to 2050 ist hier frei verfügbar:

Ansprechpartner