Helmholtz-Zentrum Geesthacht, 2016-06-27
http://www.hzg.de/031473/index_0031473.html.de

Wie haben sich die CO2-Emissionen entwickelt? Wo finde ich Daten zu CO2-Emissionen?

Autor: Dr. Markus Groth (Climate Service Center)
Seit dem Beginn der Industrialisierung wird der natürliche Treibhauseffekt durch den Einfluss des Menschen verstärkt. Insbesondere die Verbrennung fossiler Energieträger wie Kohle, Erdöl und Erdgas führt zu einer nachweisbar erhöhten Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre. Wie haben sich diese globalen CO2-Emissionen entwickelt und wo werden entsprechende Daten bereitgestellt?

© Dr. Pieter Tans, NOAA/ESRL and Dr. Ralph Keeling, Scripps Institution © Dr. Pieter Tans, NOAA/ESRL and Dr. Ralph Keeling, Scripps Institution

Die globalen CO2-Emissionen sind von 1990 bis heute um rund 40% angestiegen. Eine sehr gute Quelle für eine Bestandsaufnahme der weltweiten CO2-Emissionen ist das "Carbon Budget“, welches jährlich von einer internationalen Gruppe renommierter Wissenschaftler veröffentlicht wird, die sich in dem "Global Carbon Project" zusammengeschlossen haben.

Neben vielen weiteren frei verfügbaren Daten und Visualisierungen stellt das Projekt auf seiner Homepage beispielsweise die wesentlichen Abbildungen und Grafiken im Rahmen einer PowerPoint Präsentation bereit. Sehr umfassende Daten zu den CO2-Emissionen weltweit aber auch einzelner Länder finden sich dort zudem in Excel-Tabellen. Darin kann für jedes Land auf der Welt eingesehen werden, für welche Jahre überhaupt Daten vorhanden sind und wie sich die nationalen CO2-Emissionen entwickelt haben.

Der neueste Bericht "Carbon Budget 2010" wurde am 4. Dezember 2011 veröffentlicht. Darin finden sich sehr beunruhigende Zahlen. Demnach sind die durch die Nutzung fossiler Energieträger und die Zementproduktion verursachten CO2-Emissionen im Jahr 2010 weltweit um 5,9 % angestiegen. Dies ist der bislang größte gemessene Anstieg in einem Jahr. Insgesamt war der 2009 maßgeblich durch die globale Finanzkrise ausgelöste Rückgang der Treibhausgasemissionen um 1,4 % also nur eine kleine Delle mit geringen Auswirkungen auf den langfristigen Trend eines weiter zunehmenden CO2-Ausstoßes.

© GCP/Peters et al. 2011, Nature CC; Data: Boden, Marland, Andres-CDIAC 2011; Marland et al. 2009 © GCP/Peters et al. 2011, Nature CC; Data: Boden, Marland, Andres-CDIAC 2011; Marland et al. 2009

Der Anstieg der CO2-Emissionen in 2010 wurde vor allem durch die sich entwickelnden Volkswirtschaften forciert (z.B. China: + 10,4 % und Indien: + 9,4 %). Gleichwohl kam es auch in den Industrieländern zu einem mitunter deutlichen Wachstum (z.B. USA: + 4,1 %, Russland: + 5,8 % und EU-27: + 2,2 %). Eine Kehrtwende dieser Entwicklungen ist derzeit ebenso wenig abzusehen, wie deutliche Verbesserungen der Kohlenstoffintensität – also der Kohlendioxidemission pro Energieeinheit oder Wirtschaftsleistung – im Rahmen der weltweiten wirtschaftlichen Aktivitäten.

Eine Folge dieser Entwicklungen ist der Anstieg der globalen Jahresmitteltemperatur. Von 1900 bis heute betrug dieser Anstieg fast 0,8°C. Der globale Klimawandel findet also statt und wird sehr wahrscheinlich vielfältige Folgen nach sich ziehen. Es ist davon auszugehen, dass diese Auswirkungen sowohl eine Reihe von Wirtschaftssektoren und Regionen als auch nicht über Märkte gehandelte Güter wie die menschliche Gesundheit, Ökosysteme oder die Biodiversität betreffen werden.

Um diese zu erwartenden Entwicklungen einzudämmen, wurde im Rahmen internationaler Klimaverhandlungen Einigkeit darüber erzielt, dass sich die Atmosphäre um nicht mehr als 2°C gegenüber dem vorindustriellen Niveau erwärmen soll. Um dieses so genannte „2-Grad-Ziel“ erreichen zu können, müssten die weltweiten Treibhausgasemissionen zwischen 2015 und 2020 ihren Gipfel erreicht haben und anschließend schnell abnehmen. Sollten die Emissionen weiterhin so deutlich ansteigen wie bis 2010, wird es sehr unwahrscheinlich sein, dass das 2-Grad-Ziel zu erreichen ist.

Insgesamt muss die Dekarbonisierung der Gesellschaft soweit vorangetrieben werden, dass die durchschnittlichen jährlichen Pro-Kopf-Emissionen bis zum Jahr 2050 auf unter eine Tonne CO2 reduziert werden. Dieser Wert liegt 80 bis 95 % unter den aktuellen Pro-Kopf-Emissionen der Industriestaaten. Zum Vergleich – eine Tonne CO2-Emissionen verursacht jeder Passagier beispielsweise durch einen einfachen Flug von London nach Kuala Lumpur (rund 10.500 km).

Weitere Informationen

Glen P. Peters et al. (2011): Rapid growth in CO2 emissions after the 2008–2009 global financial crisis, in Nature Climate Change, doi:10.1038/nclimate1332


Alle weiteren Informationen und Daten zum „Carbon Budget 2010“


Homepage des “Global Carbon Project”


Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC): Publications and data


National Oceanic and Atmospheric Administration – NOAA: Time history of atmospheric carbon dioxide from 800,000 years ago until January, 2009