Helmholtz-Zentrum Geesthacht, 2016-07-25
http://www.hzg.de/034520/index_0034520.html.de

Mehr Hurrikans als Folge des Klimawandels?

Der Hurrikan Sandy hat die amerikanische Küste erreicht. Noch ist nicht abzusehen, wie groß die Schäden sein werden, die der Hurrikan verursacht. Klar ist aber schon jetzt, dass es sich bei Sandy um einen außergewöhnlichen Sturm handelt. Nicht nur seine gewaltigen Ausmaße sind ungewöhnlich – gut 1.600 Kilometer Durchmesser erreichte der Wolkenwirbel, womit Sandy einer der größten Wirbelstürme ist, der je über dem Nordatlantik beobachtet wurde – auch seine Zugbahn entlang der US-Ostküste und der Richtungswechsel nach Westen sind einzigartig. Grund dafür ist ein massives Grönlandhoch, das den Weg nach Norden blockiert und den Sturm zwang, nach Westen abzudrehen. Gleichzeitig strömt eine kalte polare Sturmfront von Norden hinzu und vermischt sich mit den wassergesättigten Hurrikan-Wolken. Neben extremen Niederschlägen von 300 bis 400 Litern Regen pro Quadratmeter befürchten Meteorologen daher auch ausgiebige Schneefälle auf der weiteren Zugbahn des Sturms.

Hurrikan Sandy am 28.10.2012 © NASA - zum Vergrößern Bild anklicken Hurrikan Sandy am 28.10.2012 © NASA - zum Vergrößern Bild anklicken

Mehr Hurrikane durch Klimawandel?

Immer wieder werden nach solchen verheerenden Ereignissen die gleichen Fragen gestellt: Trägt der Klimawandel dazu bei, dass Hurrikans häufiger auftreten und sorgen die steigenden Temperaturen dafür, dass die Stürme stärker werden? Obwohl allein schon die Physik scheinbar eine einfache Antwort parat hat – mehr Wärme bedeutet mehr Energie in der Atmosphäre, höhere Temperaturen sorgen für mehr Feuchtigkeit in der Atmosphäre – gibt es dennoch keine allgemeingültige Antwort.

Verschiedene Studien zeigen, dass die Eisbedeckung der Arktis eine entscheidende Rolle für die Entwicklung und die Zugbahn des Hurrikans Sandy gespielt haben könnte. Modellsimulationen und Beobachtungsdaten weisen darauf hin, dass eine geringe sommerliche Eisbedeckung in der Arktis im folgenden Winter eine Hochdrucklage über Grönland begünstigen kann, die wie jetzt im Fall von Sandy die Hurrikan-Zugbahn beeinflussen kann. Somit hätte die diesjährige Rekordschmelze des Arktis-Eises einen Einfluss auf die spezielle Genese Sandys gehabt. Weitere Beobachtungen und Modellrechnungen müssen nun diesen Verdacht weiter erhärten.

Die Frage, ob und welcher Weise der Klimawandel zu einer Zunahme und Intensivierung der Wirbelsturmaktivitäten beiträgt, ist damit allerdings noch nicht beantwortet. Seit den 1970er Jahren ist die Hurrikan-Beobachtung mit Hilfe von Satelliten zum Standard geworden. Die Späher aus dem All sind in der Lage, die Entstehung und den Verlauf der Stürme zu dokumentieren.

Zentrum des Hurrikan Sandy kurz vor Erreichen der Küste © NASA - zum Vergrößern Bild Anklicken Zentrum des Hurrikan Sandy kurz vor Erreichen der Küste © NASA - zum Vergrößern Bild Anklicken

Doch über die Anzahl und die Intensität von Wirbelstürmen, die vor dieser Zeit entstanden, ist nur relativ wenig bekannt. Natürlich sind die Stürme dokumentiert, die an Land ihre Verwüstungen hinterließen, aber nicht alle Hurrikans erreichen das Land. Außerdem ist der Zeitraum, in dem es gesicherte Satelliten-Beobachtungsdaten gibt, für eine statistische Auswertung zu gering. Da es auch natürliche Zyklen gibt, in denen die Entstehung und der Verlauf von Wirbelstürmen variiert, kann nicht mit statistischer Sicherheit angegeben werden, ob sich die beobachtete Zunahme der Ozeantemperatur im Nordatlantik auch auf die Anzahl und Intensität der Wirbelstürme ausgewirkt hat.

In einer neuen Studie haben Wissenschaftler um Alex Grindsted von der Universität Kopenhagen jetzt einen indirekten Ansatz zur Lösung des Problems beschrieben. Die Forscher betrachteten nicht die Wirbelstürme selbst, sondern werteten Sturmflut- und Pegeldaten an der Südostküste Nordamerikas aus. Die einfache Idee dahinter: Wirbelstürme verursachen aufgrund ihrer hohen Windgeschwindigkeiten und ihres geringen Luftdrucks Sturmfluten – auch wenn die Stürme das Land nicht erreichen. Die Aufzeichnungen der Pegelstände reicht bis ins Jahr 1923 zurück. Die statistische Auswertung der Pegeldaten in Abhängigkeit von der Temperatur ergab einen signifikanten Zusammenhang zwischen warmen Jahren und der Häufigkeit von Wirbelstürmen in dieser Region. So sei die Anzahl von starken Hurrikans der Katrina-Kategorie in warmen Jahren doppelt so hoch wie in kälteren Jahren.

Weitere Untersuchungen müssen nun die Belastbarkeit der Studie überprüfen.

Hurrikan Sandy am 30. Oktober @ NOAA/NASA GOES Project - zum Vergrößern Bild anklicken Hurrikan Sandy am 30. Oktober @ NOAA/NASA GOES Project - zum Vergrößern Bild anklicken

Weitere Informationen zum Hurrikan Sandy

Die aktuelle Studie „Homogeneous record of Atlantic hurricane surge threat since 1923“

Mehr zur Entwicklung des Hurrikan Sandy

Das National Hurricane Center der USA

Modellsimulation zum Zusammenhang zwischen arktischer Meereisbedeckung und winterlichen Hochdrucklagen: "A link between reduced Barents-Kara sea ice and cold winter extremes over northern continents"

Datenauswertung zum Zusammenhang zwischen arktischer Meereisbedeckung und winterlichen Hochdrucklagen: "Evidence linking Arctic amplification to extreme weather in mid-latitudes"

Datenauswertung zum Zusammenhang zwischen arktischer Meereisbedeckung und winterlichen Hochdrucklagen: "Impact of sea ice cover changes on the Northern Hemisphere atmospheric winter circulation"

Blog von Stefan Rahmstorf vom PIK-Potsdam: "Infos zum Supersturm Sandy"

Zugbahn des Hurrikan Sandy - Video des NASA/NOAA GOES Project