Helmholtz-Zentrum Geesthacht, 2016-05-26
http://www.hzg.de/037859/index_0037859.html.de

Machbarkeitsstudie „Starkregenrisiko 2050“

Kooperationsprojekt des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) und des Climate Service Centers

Starkregen kann große volkswirtschaftliche Schäden verursachen, sei es durch Überflutung von Straßen, Gebäuden und Kellern oder durch das Auslösen von Rutschungen an Hängen. Insbesondere für die Versicherungswirtschaft ist es von großem Interesse zu wissen, ob und wie sich das Auftreten und die Intensität von Starkregen und den damit verbundenen Schäden in der Zukunft ändern wird.

© Climate Service Center © Climate Service Center

Am Climate Service Center in Hamburg wurde in einem Kooperationsprojekt mit dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V (GDV) untersucht, ob es möglich ist, statistisch belastbare Relationen zwischen durch Starkregen verursachten Schäden an Wohngebäuden und gemessenen Niederschlagsdaten aufzustellen. Mit solchen Relationen können dann Projektionen des zukünftigen Klimas auf Veränderungen der Schadenspotentiale untersucht werden.

Für die Studie wurden durch den GDV Daten zu Elementarschäden an Wohngebäuden für den Zeitraum von 2002 bis 2008 zur Verfügung gestellt.
Eine Literaturanalyse zu beobachteten Änderungen von Starkniederschlägen in Deutschland in den letzten Dekaden zeigte eine große Heterogenität der Studien, die sich in uneinheitlichen Definitionen von Extremniederschlägen, in unterschiedlichen statistischen Methoden und Verfahren sowie in unterschiedlichen Untersuchungsregionen und -zeiträumen widerspiegelt. Übereinstimmend wurde jedoch für den Winter eine signifikante Zunahme von Starkregen und extremen Niederschlägen in den letzten Jahrzehnten festgestellt. Die Aussagen für den Sommer sind uneinheitlich und zeigen meist eine Abnahme der Niederschlagsintensität und -häufigkeit mit geringer Signifikanz. Insgesamt ist die dekadische Variabilität sehr groß und dominiert noch in 30-jährigen Analysezeiträumen.

Um eine räumlich und zeitlich möglichst gute Übereinstimmung von Schadensfällen und Niederschlag betrachten zu können, wurden zwei Fallstudien analysiert, für die Schadensdaten auf Postleitzahlen-Ebene, sowie angeeichte Radardaten vorlagen. Die Fallstudien zeigten, dass die Bemessungswerte für Überflutungen aus der DIN-EN 752-2 einen guten Anhaltspunkt für die Niederschlagsintensität liefern, ab der vermehrt Schäden registriert werden.

Zur Identifizierung potentiell schadensträchtiger Situationen wurde die objektive Wetterlagenklassifikation des Deutschen Wetterdienstes herangezogen und mit den Schadensdaten zeitlich und räumlich verschnitten. Dabei ergab sich eine Häufung bestimmter Wetterlagen im Zusammenhang mit Schadensereignissen. Eine solche Klassifizierung bietet auch die Möglichkeit, Klimaprojektionen bezüglich möglicher zukünftiger Trends zu analysieren.

Um zu untersuchen, wie sich die Häufigkeit und die Intensität von Starkregenereignissen in der Zukunft in Deutschland ändern könnten, wurden Klimaänderungssimulationen regionaler Klimamodelle untersucht. Da im Rahmen der Machbarkeitsstudie die schadensrelevanten Niederschlagsintensitäten noch nicht quantifiziert wurden, liegt hier als Beispiel für ein Starkregenmaß eine Überschreitung der Tagesniederschlagssumme von 25mm zu Grunde. Für den Zeitraum um 2050 ergibt sich aus einem Ensemble regionaler Klimaänderungssimulationen eine Zunahme der Anzahl der Tage mit Niederschlag >25 mm/Tag. In großen Teilen Deutschlands beträgt diese Zunahme mehr als 30 %. Als robust stellt sich diese Aussage in den Küstengebieten entlang der Nordsee, sowie in vielen Gebieten der deutschen Mittelgebirge heraus.

Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie können Sie dem Abschlussbericht entnehmen.

Abschlussbericht Machbarkeitsstudie "Starkregenrisiko 2050"