REDD (+) und seine Bedeutung für den internationalen Wald- und Klimaschutz
REDD ist ein Mechanismus der internationalen Klimaschutzpolitik, dessen Grundidee darin besteht, Entwicklungsländern Ausgleichszahlungen zukommen zu lassen, wenn diese ihre Entwaldung und Degradierung von Wäldern nachweislich reduzieren. Die Kosten dafür sollen größtenteils die Industrienationen übernehmen.
REDD - Hintergrund
Dieser rief dazu auf, Ansätze und Anreize für Maßnahmen in Bezug auf REDD+ zu entwickeln. Diese vom ursprünglichen REDD Mechanismus abgeleitete Version beinhaltet drei zusätzliche Ansätze, neben den schon vorher bestehenden Maßnahmen der Reduzierung von Entwaldung und Degradierung von Wäldern. Hinzugekommen sind die Erhaltung und Erhöhung der Kohlenstoffbestände in Wäldern sowie die nachhaltige Waldbewirtschaftung. Eine Erhöhung kann durch Auf- und Wiederaufforstungsaktivitäten erreicht werden, indem z.B. auf zuvor gerodeten Flächen Bäume angepflanzt werden.
Wie genau ein solcher REDD+ Mechanismus letztendlich gestaltet wird, hängt von unterschiedlichen Faktoren und Entscheidungen ab. Noch immer gibt es in vielen Bereichen Fragen und Diskussionspunkte. Die beteiligten Akteure vertreten verschiedene Ansichten und die Erwartungen an einen REDD+ Mechanismus sind vielseitig.
Zu einem viel diskutierten und umstrittenen Punkt gehört z.B. die Festlegung des Referenzlevels oder auch „Business-As-Usual-Szenario“. Dies entspricht der Entwaldungs- bzw. Walddegradierungsrate, die ohne einen REDD+ Mechanismus stattgefunden hätte. Gegenüber diesem Level wird dann ermittelt, wie groß die Reduzierung auf Grund der Maßnahmen war und wie hoch die Kompensationszahlungen dementsprechend ausfallen. Eine einfache Möglichkeit für ein solches Referenzlevel wäre z.B. die Entwaldungsrate der vergangenen Jahrzehnte (historische Rate). Man geht hierbei davon aus, dass diese Rate auch in Zukunft gleich bleiben wird. Man könnte aber auch eine zukünftige Rate modellieren, welche dann als Referenzlevel verwendet werden würde. Dazu müsste man möglichst alle Entwaldungsursachen mit einbeziehen, wie z.B. das Populationswachstum und der damit einhergehende Anstieg des Flächenbedarfes. Ein weiterer Ansatz ist die Anwendung eines so genannten „Entwicklungs-Anpassungs-Faktors“ auf die historische Entwaldungsrate. Dieser berücksichtigt auch landesspezifische Umstände der Abholzung.
© FAO/Steve Midgley - Nicht im Sinne von REDD: Großflächige Rodung von Regenwaldflächen in Indonesien, um Plantagen mit schnellwachsenden Baumarten oder Ölpalmen anzulegen
Ein anderer Ansatz der Finanzierung wäre die Einrichtung eines REDD+ Fonds. In diesen würden Industrienationen, der private Sektor oder auch Nichtregierungsorganisationen einzahlen. Die Gelder könnten dann als Kompensation an die Entwicklungsländer gezahlt werden, die nachweislich Emissionen aus dem Waldsektor reduziert haben. Als eine Alternative zu diesen beiden Hauptfinanzierungsmöglichkeiten gibt es noch den Vorschlag einer Art Hybrid-Lösung aus den markt- und fondsbasierten Ansätzen. Dafür könnte man z.B. ein neues Zertifikat für Emissionsreduktionen aus REDD+ Aktivitäten einführen. Staaten könnte man dann verpflichten einen Teil ihres CO2-Ausstoßes mit diesen Wald-Kohlenstoffzertifikaten zu kompensieren. Die Einnahmen aus den Verkäufen wiederum könnten reguliert an die Entwicklungsländer ausgezahlt werden.
Um nachzuweisen, dass REDD+ Projekte auch wirklich Emissionen einsparen, müssen bestimmte Standards und Indikatoren festgelegt werden und ein ständiges Monitoring stattfinden. Wenn ein Projekt diese Kriterien erfüllt, kann es zertifiziert werden und Kompensationszahlungen erhalten. Im Bereich des Waldschutzes gibt es schon eine Vielzahl an Zertifizierungssystemen (z.B. vom FSC – Forest Stewardship Council). Für einen REDD+ Mechanismus müsste nun ein einheitliches Verfahren entwickelt werden. Dabei ist es von großer Bedeutung, auch die so genannten „Co-Benefits“ mit einzubeziehen. Diese sind mögliche zusätzliche positive Effekte von REDD+ Maßnahmen, wie z.B. der Schutz der Biodiversität in den Wäldern und der Erhalt von Ökosystemleistungen oder auch die Unterstützung der lokalen indigenen Bevölkerung und die Verringerung der Armut. Diese Effekte sind häufig Bedingung für einen langzeitlichen Erfolg der REDD+ Projekte.
Weiter zu
Biodiversitätsschutz unter REDD+
Fallstudie: REDD+ Pilot Projekt
Ergänzende REDD+ Hintergrundinformationen
CSC Report 3: "REDD+ Chances for Biodiversity, potential risks and possible remedies" (pdf, 7 MB)
CSC Report 3: "REDD+ Chances for Biodiversity, potential risks and possible remedies" (pdf, 19 MB)
Hintergrundpapier: "REDD+: Ausgestaltung, Bewertung, Zertifizierung und offene Fragen" (pdf, 1,6 MB)
Quellen
Definitionen Aufforstung/Wiederaufforstung


